Die geistigen Säulen der Freimaurerei

 

 

Freimaurerei ist spirituell. Das heißt, sie befasst sich mit Fragen, die unsere Sinneserfahrungen übersteigen. Oder wie es der Freimaurer Johann Wolfgang von Goethe formulierte: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.

Die zwei großen geistigen Säulen der Freimaurerei sind Ratio und Religio, Vernunft und Religion. Religio, die Rückbindung an das Göttliche, ist in unserer Zeit aus der Mode gekommen. Weil die Wissenschaft fast alle Naturphänomene erklären kann, glauben viele, auf die Religion verzichten zu können.

 

Das führt dazu, dass unsere linke Hirnhälfte, die für den Intellekt zuständig ist, überbetont wird, während die rechte Hälfte, die sich dem Emotionalen und damit auch der Religion widmet, in Teilen verkümmert. Das kann aber nicht vernünftig sein, denn beide Gehirnhälften bedingen einander und sind in ihren Funktionen verzahnt.

 

Trotz der Überbetonung des Intellekts spüren viele Menschen ein metaphysisches Bedürfnis, eine Sehnsucht nach dem eigentlich Unerklärlichen. Dabei geht es besonders um drei Fragen: „Woher komme ich?“ – „Wer bin ich, und was ist meine Aufgabe hier?“ und „Wohin gehe ich dereinst?“

Auf diese Fragen geben die verschiedenen Religionen unterschiedlich Antworten. Sie können nicht alle richtig sein. Deshalb hat die Freimaurerei in ihrem Grundgesetz, den Alten Pflichten von 1723, in Paragraf 1 die Mitglieder nur zu der Religion verpflichtet, „in der alle Menschen übereinstimmen, und jedem seine Überzeugungen selbst zu belassen.“

 

Damit zeigt sich die Ratio, also die Vernunft der Freimaurer. Sie kennen keine Dogmen, das ist ihre Stärke. Aber auf einen gewissen Minimalkonsens kann die Freimaurerei nicht verzichten: dazu gehört vor allem der Glaube an einen Schöpfer, zum zweiten, dass dieser Schöpfer ethisch-moralische Normen vorgegeben hat, und zum dritten, dass es nach dem Tod auf irgendeine Weise weitergeht. Wer dem Freimaurerbund beitritt, sollte eine Jenseitsperspektive haben oder bereit sein, eine zu entwickeln.

 

Damit es darüber nicht zum Streit kommt, sind Diskussionen über religiöse Themen in der Loge ebenso untersagt wie politische Debatten.

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